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15. September 2026

Rückblick Symphonic Mob 2026

Ein Orchester für einen Tag – Göttingen musiziert gemeinsam 

Samstag, den 12. September 2026, vormittags trudeln die fast 200 Musiker:innen langsam in die Johanniskirche ein. Bei der Anmeldung dürfen sie sich ein T-Shirt abholen.  

Viele sind nicht zum ersten Mal dabei: „T-Shirt brauche ich nicht, ich habe das vom letzten Jahr dabei“, sagt eine Dame mit einem Cello auf dem Rücken. 

Es ist die Probe für den Symphonic Mob unter der Leitung von Dirigent Nicholas Milton. Musiker:innen jeden Alters waren eingeladen, gemeinsam mit dem Göttinger Symphonieorchester zu musizieren und Teil eines außergewöhnlichen Open-Air-Konzerts zu werden. Als alle an ihren Plätzen angekommen sind, wird das nun größte Orchester Göttingens von den Veranstalter:innen willkommen geheißen. 

Die Probe beginnt. Die Musiker:innen spielen die Stücke, die sie bereits fleißig geübt hatten. Die Noten standen ihnen bereits Wochen zuvor zur Verfügung – nun endlich erklingen die Werke in dieser besonderen Konstellation. Und sie werden professionell dirigiert. 

„Die Geigen nochmal!“, ruft der Dirigent des Göttinger Symphonieorchesters, Nicholas Milton. „In dem Stück geht es um Liebe! Der Arm muss frei sein, nicht so steif!“ Nach zwei Versuchen ist er mit dem Ergebnis zufrieden. 

Auf dem Programm stehen Werke von Georges Bizet, Sergej Prokofjew, Edvard Grieg und Edward Elgar. Ganz unterschiedliche Komponisten und musikalische Stile treffen dabei aufeinander. Für die Teilnehmer:innen bedeutet das: konzentrieren, zuhören und vor allem aufeinander reagieren. Denn auch wenn viele der Musiker:innen jahrelange Erfahrung mitbringen, ist dieses Orchester in dieser Zusammensetzung etwas Besonderes. 

„Wer ist denn der jüngste hier?“, frag der Dirigent in die Menge. „Da haben wir neun, elf… Oh, du bist acht? Einen Applaus für unsere jungen Teilnehmenden!“ 

Hier sitzen Anfänger:innen neben erfahrenen Musiker:innen, junge Menschen neben älteren Teilnehmer:innen. Manche spielen seit Jahren in Orchestern, andere sind vielleicht zum ersten Mal Teil eines so großen Ensembles. Was sie verbindet, sind die Freude an der Musik und die Bereitschaft, gemeinsam etwas entstehen zu lassen. 

Nach der intensiven Probe gibt es zunächst eine Mittagspause. Doch lange bleibt es nicht ruhig. Denn am Nachmittag steht der Höhepunkt des Tages bevor. 

Endlich ist es soweit: Die Musiker:innen sammeln sich auf dem Markt vor dem Alten Rathaus. Auch viel Publikum hat sich inzwischen angesammelt, denn schon die Probe hatte neugierige Zuschauer:innen angelockt. 

Nach und nach nehmen die Musiker:innen ihre Plätze ein. Instrumentenkoffer werden abgestellt, Noten zurechtgelegt und letzte Gespräche geführt. Aus der bunten Gruppe, die am Vormittag noch in der Johanniskirche zusammengekommen war, wird nun ein großes Orchester mitten im Herzen Göttingens. Ein Meer aus roten T-Shirts und Notenständern. 

Was am Vormittag noch nach einzelnen Instrumentengruppen und vielen unterschiedlichen Stimmen klang, wird plötzlich zu einem gemeinsamen Klang. Streicher, Bläser und Schlagwerk fügen sich zusammen. Die Musik erfüllt den Marktplatz und zieht die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich. 

Besonders beeindruckend ist dabei, dass dieses Orchester nur für diesen einen besonderen Anlass zusammengekommen ist. Die Musiker:innen haben sich zuvor eigenständig vorbereitet, gemeinsam geprobt wurde erst an diesem Tag. Trotzdem entsteht ein Zusammenspiel, das zeigt, was möglich ist, wenn viele Menschen ihre unterschiedlichen musikalischen Erfahrungen zusammenbringen. 

Der Symphonic Mob macht aus dem Marktplatz für einen Nachmittag einen Konzertsaal unter freiem Himmel. Zwischen Altem Rathaus, Publikum und Musiker:innen entsteht eine Atmosphäre, die mit einem klassischen Konzertabend kaum zu vergleichen ist. 

Und vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz des Projekts: Hier geht es nicht darum, wer die schwierigsten Passagen perfekt beherrscht oder wer am meisten Orchestererfahrung mitbringt. Es geht darum, gemeinsam Musik zu machen. 

Als die letzten Töne verklingen, ist der Auftritt vorbei. Doch für die Musiker:innen bleibt mehr als nur ein Konzert. Sie haben für einen Tag Teil eines außergewöhnlich großen Orchesters sein dürfen und gemeinsam mit dem Göttinger Symphonieorchester gezeigt, dass Musik Menschen zusammenbringen kann. 

Der Marktplatz leert sich langsam wieder. Instrumente werden eingepackt, Noten verschwinden in Mappen und die Musiker:innen machen sich auf den Heimweg. Einige werden ihr T-Shirt vielleicht im nächsten Jahr wieder aus dem Schrank holen. 

Denn wer einmal dabei war, kommt offenbar gerne wieder.